Handelt es sich wirklich um eine psychogene Alopezie?

15 July 2019 – News

Bei Katzen stellt die psychogene Allopezie eine häufige Diagnose dar, oft sind die medialen Bereiche der Gliedmaßen, des caudalen Abdomens und des Inguinalbereichs betroffen. Viele andere Erkrankungen müssen aber zuvor ausgeschlossen werden.

Nach einer vollständigen Anamnese und einer gründlichen körperlichen Untersuchung müssen zusätzliche Tests durchgeführt werden: eine Zytologie von Hautgeschabseln, eine Pilzkultur, eine Trichoskopie, spezielle Behandlungen gegen Parasiten und eine Eliminationsdiät. Wenn all diese Untersuchungen negativ ausfallen, wird empfohlen eine Untersuchung von Glukokortikoiden, eine Urinanalyse und eine Blutuntersuchung durchzuführen.

In dieser Studie wurden 21 ausgewachsene Katzen mit einer vorab diagnostizierten psychogenen Alopezie und mindestens 6-monatigem kontinuierlichem Haarausfall untersucht. Jede Katze wurde einem umfassenden Diagnoseprotokoll unterzogen, um etwaige Grunderkrankungen zu identifizieren und zu unterscheiden, ob es sich bei der Alopezie um ein Symptom der Grunderkrankung handelt. Bei 76% der Katzen kam keine psychogene Alopezie vor. Überraschenderweise wurde diese jedoch bei 10% der Tiere als einzige Erkrankung festgestellt. Ausschlaggebend war bei vielen Patienten auch die Ernährung, 57% von ihnen zeigten auf ein Futtermittel bzw. Futterbestandteil unerwünschte Reaktionen.

Neben dem offensichtlichen Hinweis darauf, dass die psychogene Alopezie bei Katzen oft überdiagnostiziert wird, stützen die Befunde der Autoren die vorherige Aussage, dass selbst einige wenig Eosinophile in der Dermis ausreichen, einen Hinweis darauf zu geben, dass es sich doch um eine andere Erkrankung handelt.

Waisglass S., Landsberg G., Yager J., Hall J. Underlying medical conditions in cats with presumptive psychogenic alopecia. J Am Vet Med Assoc. 2006 Jun 1;228(11):1705-9. DOI: 10.2460/javma.228.11.1705