Diagnostische Wege für das Feline Hyperästhesie-Syndrom

20 April 2020 – News

Es gibt noch viel zu lernen über das Feline Hyperästhesie-Syndrom, eine komplexe Erkrankung, die durch klinische Symptome wie Hautrötungen, Episoden von Laufen und Springen, übermäßige Vokalisation und Schwanzjagen gekennzeichnet ist. Ihre Definition ist unter Tierärzten nach wie vor widersprüchlich: Einige betrachten die Schwanzverstümmelung als ein klinisches Zeichen, während andere der Ansicht sind, dass sie mit neuropathischen Schmerzen in Zusammenhang steht.

Diese retrospektive Studie zielte darauf ab, einen integrierten multidisziplinären Ansatz vorzuschlagen, um die Protokolle und die Therapie für jeden Fall besser auswählen zu können. Die Autoren suchten nach Informationen über Patientenbeschreibung, Anamnese, klinisches Erscheinungsbild, diagnostische Abklärung und Behandlung im Zusammenhang mit FHS. Selbsttrauma am Schwanz war ein Einschlusskriterium. In den meisten Fallberichten wurde Gabapentin, entweder allein oder in Kombination mit anderen Medikamenten, eingesetzt.

Die Unklarheit der Ätiopathologie und der Systeme, die an der Manifestation der klinischen Symptome beteiligt sind, kann die derzeitige Tendenz erklären, vor der Überweisung mit therapeutischen Versuchen zu beginnen. Diese Zurückhaltung kann zur chirurgischen Entfernung verletzter Teile und/oder zur Verschreibung verschiedener Medikamente führen, die vermieden werden könnten. Im Idealfall sollten Fälle von Felinem Hyperästhesie-Syndrom an einen Verhaltensspezialisten überwiesen werden.

Einige Experten vermuten, dass es sich bei FHS um eine Verdrängungsstörung handelt, die dann zu einem zwanghaften Verhalten führen kann. In Anbetracht dessen würden Verhaltensänderungsprotokolle und Psychotherapie helfen, und in verschiedenen Fällen wird über Verbesserungen berichtet. Darüber hinaus ist manchmal die Zugabe von entzündungshemmenden und immunsuppressiven Medikamenten die einzige Möglichkeit, eine Remission der klinischen Symptome zu erreichen.

Es gibt auch die Theorie, dass FHS eine idiopathische Form der Epilepsie ist, die durch fokale Anfälle gekennzeichnet ist. Gestützt wird sie durch das Ansprechen auf die Behandlung mit Gabapentin und Topiramat. Eine weitere Hypothese ist, dass dermatologische Erkrankungen an der Pathogenese dieses Syndroms beteiligt sein könnten.

Abgesehen von den Beschränkungen dieser Untersuchung (retrospektiver Charakter und begrenzte Anzahl von Fällen), umfasst sie nicht nur die Analyse von Fallberichten, sondern auch ein praktisches Ablaufdiagramm der vorgeschlagenen diagnostischen Wege, das für alle Tierärzte hilfreich sein könnte, deren Patienten Anzeichen aufweisen, die der Symptomatik eines Felinen Hyperästhesie-Syndroms (FHS) entsprechen.

Amengual Batle P. et al. Feline hyperaesthesia syndrome with self-trauma to the tail: retrospective study of seven cases and proposal for integrated multidisciplinary diagnostic approach. Journal of Feline Medicine and Surgery 1-8. DOI: 10.1177/1098612X18764246