Warum ist die Hündin trotz Kastration läufig?

Warum ist die Hündin trotz Kastration läufig?

 

 

Heute gab es einen Termin in meinem Praktikum, bei dem sich die Frage stellte, warum die Hündin noch läufig wird, wenn Sie doch kastriert ist?
Natürlich wurde diese Frage direkt an mich weitergereicht, da es wohl eine Frage ist, die einem in der Praxis auch öfter mal gestellt werden kann. Meine erste Intuition war die Ultraschalluntersuchung, um noch zurückgebliebene Ovarien oder eine unvollständige Kastration erkennen zu können.
Da es jedoch auch nur wenige Zellbestandteile sein könnten die Hormone produzieren, ist ein Ultraschall daher nicht sehr sinnvoll.
Es gibt hier wesentlich elegantere Methoden, um eine Hormonproduktion nachzuweisen.

Hier besteht die Möglichkeit der Messung der LH-Konzentration. Diese steigt nach ca. 1 Jahr auf das 14-fache ihres Wertes an (06 ng/ml vs. 8,3 ng/ml). Die Konzentration wird im Serum gemessen.

Außerdem kann die Östrogen-Konzentration im Blut gemessen werden. Dafür wird eine normale Blutprobe genommen, danach wird der Hündin ein GnRH-Analogon injiziert und 60 Minuten später wird eine weitere Blutprobe genommen. Bei einer Hündin mit Ovarien oder Ovarresten, steigt der Östrogenwert auf 14,1 pmol/l. Bei erfolgreich ovarioektomierten Hündinnen liegt dieser Wert unter 7 pmol/l.

Das einfachste jedoch ist der Nachweis des Anti-Müller Hormons (AMH). Dieses Hormon wird vom fetalen Hoden gebildet und führt zur Rückbildung der Müllerschen Gänge, aus denen sich dann beim weiblichen Tier die Eileiter, der Uterus und die craniale Vagina entwickeln. Beim männlichen Tier wird das AMH weiterhin im Hoden gebildet, beim weiblichen Tier beginnt die AMH Produktion mit der Pubertät in den Ovarien. Da dieses Hormon nur in den Gonaden gebildet wird, kann es gut für die Beurteilung des Kastrationsstatus herangezogen werden. Es gilt dabei aber zu beachten, dass das Hormon noch bis zu 14 Tagen nach der Kastration im Blut vorhanden sein kann. Deshalb ist ein Test vorher nicht sinnvoll.

Der Nachweis des Anti-Müller Hormons kann bei verschiedenen Laboren eingeleitet werden, z.B. Biocontrol oder Laboklin. Dafür müssen 500 µl Serum oder Heparinplasma eingeschickt werden. Welche Proben das jeweilige Labor braucht sollte beim Labor vor Einsendung erfragt werden.
Bei Biocontrol ist eine Interpretation dann ganz einfach mit folgenden Werten:

Hund:
< 0.5 pmol/l [0.07 µg/dl]  das Tier ist kastriert.
≥ 0.5 pmol/l [0.07 µg/dl]  das Tier ist unkastriert oder es sind noch Reste von Ovar-/Hodengewebe vorhanden.

Katze:
< 0.57 pmol/l [0.08 µg/l]  kastriert

≥ 0.57 pmol/l [0.08 µg/l]  das Tier ist unkastriert oder es sind noch Reste von Ovar-/Hodengewebe vorhanden.

Quellen: Niemand, Suter, Kohn, Niemand, Hans Georg, Suter, Peter F, & Kohn, Barbara. (2012). Praktikum der Hundeklinik / Begründet von Hans G. Niemand. Hrsg. von Peter F. Suter … (11., überarb. u. erw. Aufl. ed.). Stuttgart: Enke.

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