Der Megaösophagus

Der Megaösophagus

 

 

Gestern im Notdienst stellte sich ein Hund vor, welcher seit langer Zeit eine Art Würgen zeigt. Hierbei konnte durch gezieltes Fragen, nach einer Bauchpresse, welche nicht vorhanden war, beim Würgen, das Regurgitieren festgestellt werden. Außerdem zeigte der Hund einen eitrigen Nasenausfluss, sowie eine mittelgradige Dyspnoe. Nach einer eingehenden allgemeinen und speziellen Untersuchung wurde der Hund geröntgt und es stellte sich in einer lateralen Aufnahme die röntgenologische Diagnose eines Megaösophagus, sowie einer leichten Aspirationspneumonie, sehr wahrscheinlich ausgelöst durch das regugitierte Futter.
Bleiben wir nun beim Megaösophagus, da das sein primäres Problem darstellt. Hierbei handelt es sich um eine generalisierte Dilatation des Ösophagus. Leider sind die genauen Ursachen, über die Entstehung der Problematik nicht hinreichend bekannt. Man vermutet, dass es sich bei Welpen um eine kongenitale idiopathische Ösophagusdilatation handelt, welche durch eine verspätete nervale Innervation des Ösophagus entsteht. Bei adulten Hunden unterscheidet man den idiopathischen Megaösophagus, welcher die häufigste Form des Megaösophagus darstellt, vom sekundären Megaösophagus (MÖ). Natürlich muss ersteinmal der sekundäre MÖ ausgeschlossen werden, damit die Diagnose des idiopathischen MÖ gestellt werden kann.
Häufige Gunderkrankung bei adulten Hunden mit einem MÖ ist die Myasthenia gravis, dabei kann es sich um eine generalisiert vorkommende Myasthenie handeln, es kann sich aber genauso gut um eine Myasthenie handeln, welche sich nur auf den Ösophagus beschränkt. Hierbei werden Antikörper gegen die Acetylcholinrezeptoren gebildet. Diese Antikörper können im Serum des Patienten nachgewiesen werden. Zeigt er generalisierte Anzeichen einer Myasthenia, kann eine repetitive Nervenstimulation oder ein Pyridostigmintest vorgenommen werden. Als weitere aber eher seltene Ursache kann ein Hypoadrenokortiszismus auftreten, diesen gilt es mit einem ACTH-Stimulationstest auszuschließen. Auch sind Infektionen (Staupe, Botulismus, Tetanus), sowie eine Vergiftung (Blei, Organophosphate) im Gespräch. Sollten nun alle Tests negativ ausfallen, kann man von einer idiopathischen Form des MÖ ausgehen.
Therapeutisch gilt es nun direkt strikte diätetische Maßnahmen einzuleiten. Das bedeutet der Hund muss erhöht gefüttert und getränkt werden und für mehrere Minuten (10-15) in dieser Position gehalten werden, damit Futter und Wasser in den Magen fließen können. Sollten die Symptome des regugitierens und auch aspierierens trotzdem schlimmer werden, kann eine Gastrostomie-Fütterungssonde gelegt werden, welche nach Bildung eines Stomas durch eine Low-Profile Sonde ersetzt wird. Des Weiteren muss bei einer vorliegenden Aspirationspneumonie, diese auch behandelt werden, über ein Breitspektrum Antibiotikum. Sollte es sich doch um einen sekundären MÖ handeln muss natürlich auch in diesem Fall die Grunderkrankung beseitigt werden, hierbei stehen die Prognosen aber gut, dass es zu einer vollständigen Heilung kommt. Auch bei Junghunden kann sich die Problematik des MÖ nach 6 Monaten von allein lösen.

 

Niemand, Suter, Kohn, Niemand, Hans Georg, Suter, Peter F, & Kohn, Barbara. (2012). Praktikum der Hundeklinik / Begründet von Hans G. Niemand. Hrsg. von Peter F. Suter … (11., überarb. u. erw. Aufl. ed.). Stuttgart: Enke.

 

Mehr erfahren