Scheinträchtigkeit oder Lactatio falsa

Scheinträchtigkeit oder Lactatio falsa

 

 

Heute wurde eine Hündin mit geschwollenen Zitzen, sowie Nestbauverhalten vorgestellt.
Sie war vor 6 Wochen läufig.

Bei der Palpation des geschwollenen Gesäuges konnte keine Wärme festgestellt werden, bei Druck wurde ein wenig weißliche Flüssigkeit freigesetzt. Hiermit war der Fall schon relativ eindeutig, die Hündin war gerade scheinträchtig.

Die Ätiologie der Scheinträchtigkeit ist noch nicht hinreichend geklärt. Man vermutet, dass der rasche Progesteronabfall und/oder der erhöhte Prolaktin-Wert, sowie eine erhöhte Sensitivität auf Prolaktin in der Mitte oder gegen Ende des Metöstrus eine Rolle spielen.

Der Besitzer stellt hierbei körperliche, sowie Verhaltensveränderungen fest. Meistens ca. 3-12 Wochen nach der Läufigkeit. Diese Veränderungen können über mehrere Wochen andauern.
Die Hündinnen beginnen mit Nestbauverhalten, sie tragen Kuscheltiere herum und verteidigen diese. Es kann auch ein leicht aggressiveres Verhalten gegenüber dem Besitzer auftreten. Klinisch schwillt das Gesäuge an und es kommt zu einer leichten Sekretion von Milch.

Therapeutisch kommt es auf die Schwere der Symptome an. Zeigt die Hündin nur leichte Verhaltensveränderungen, so kann man diese beeinflussen, indem man die Hündin ablenkt und die Spielsachen für eine gewisse Zeit wegräumt.
Sollten stärkere Verhaltensveränderungen auftreten, kann man mit dem Dopamin-Agonisten Cabergolid (Galastop) behandeln. Dies geht bis zu 10 Tagen. Auf Grund der Rezidiv-Gefahr sollte hier noch 2 Tage nach Symptomfreiheit behandelt werden.
Sollte die Behandlung länger dauern, wird das Medikament nur noch jeden 2 Tag gegeben.

Bei sehr schweren Fällen kann eine Kastration in Erwägung gezogen werden. Diese sollte aber in einer Phase des Anöstrus geschehen, da sonst nach der Kastration eine weitere langanhaltende Scheinträchtigkeitsphase auftreten kann.